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Streuobstwiesen: Landschaft, Sortenvielfalt & Gaumenfreude

Zwetschke von der Streuobstwiese

Zauberhafte Landschaften sind es, die von Streuobstwiesen geprägt sind: verstreute Bäume, sanfte Hügel, hohe Wiesen. Bauern und Selbstversorger waren es, die diese Kulturlandschaft über Jahrhunderte geschaffen haben. Nun liegt es an uns, diese Artenvielfalt für die Zukunft zu bewahren.

Die Vielfalt der Aromen auf einer Streuobstwiese

Die meisten Menschen kennen gerade noch eine Handvoll an Obstsorten aus dem Supermarkt. In Wahrheit aber gibt es tausende Sorten. Säuerlich oder süß, groß oder klein, von hellgelb über grün bis tiefrot, von frühreifen, sommerlichen Sorten über späte Äpfel, die sich perfekt über den Winter einlagern lassen. Der Geflammte Kardinal, rotgestreift, groß, mit feiner Säure, eignet sich perfekt für Strudel und Apfelkuchen. Der Spätblühende Tapetapfel bleibt auch beim Dörren hell und aromatisch, säuerlich, ein wenig prickelnd auf der Zunge.  Der Maschantzker ist perfekt für Kompott, da er sich nicht zerkocht. Die Bäuerinnen wussten, dass Holzäpfel den Essig haltbarer machen.

Idyllische Streuobstwiesen prägen die Landschaft im Südburgenland

Eine Streuobstwiese diente einst zur Selbstversorgung, daher war es logisch, unterschiedliche Obstsorten zu setzen, um das ganze Jahr über ernten zu können. Auch Marillen, Kirschen, Zwetschen, Birnen oder Weingartenpfirsiche findet man in den alten, bäuerlichen Obstgärten. Für sie gilt dasselbe: es gibt eine Vielzahl an Sorten, oft perfekt an das Kleinklima einiger Gemeinden angepasst, weswegen sie von Nachbar zu Nachbar weitergegeben wurden. Oft wurde auf den Streuobstwiesen auch noch Heu gemacht und ein paar Nutztiere, Schafe, Ziegen, Bienen oder Hühner gehalten. Die haben sich übers Fallobst gefreut.

Ebenso vielfältig wie die Obstsorten ist auch das Ökosystem einer Streuobstwiese. Sie ist ein Lebensraum für zahlreiche bedrohte Insekten, Vögel, Nützlinge und kleine Tierarten. Und ein Genpool für die Zukunft, da die alte Obstsortenvielfalt vielfältige Geschmäcker und Eigenschaften für die Zukunft bewahrt.

Verein Wieseninitiative kämpft um die Sortenvielfalt

Besonders der Verein Streuobstwiese setzt sich seit vielen Jahren für die Streuobstwiesen ein. Er fördert nicht nur den Erhalt des alten Bestandes, sondern blickt auch in die Zukunft. Die Liste an Aktivitäten ist beeindruckend.

Am bekanntesten ist wohl das herbstliche Apfelkulinarium auf Burg Forchtenstein, bei dem die Besucher viele der Sortenraritäten und Streuobstwiesen-Produkte verkosten können. Jährlich verteilt Brigitte Gerger auch hunderte an Setzlingen von 15 verschiedenen, alten Obstsorten an Baumpaten, um die Auspflanzung alter Sorten zu fördern und ein wissenschaftliches Monitoring zu ermöglichen. Jeder der Bäume ist digital kartiert und seine Entwicklung an verschiedenen Standorten wird dokumentiert. So soll das ganze Burgenland ein Sortenerhaltungsgarten werden.

Beim Apfelkulinarium auf Burg Forchtenstein wird die Vielfalt der alten Sorten und Aromen gefeiert. Der Verein Wieseninitiative organisiert die Veranstaltung im Oktober.

Jedes Jahr werden einige Partnergemeinden für das Thema begeistert, mit Aktivitäten in Schulen und Kindergärten, Kursen, Exkursionen, Baumpflanzungen und Vorträgen.

Streuobst in kulinarische Schätze verwandeln

Vor allem aber werden Besitzer alter Streuobstwiesen ermuntert, ihr Obst wieder zu verwerten und in kulinarische Produkte wie Säfte, Schnaps, Most, Cider, Essig, Marmeladen, Kompott oder Chutneys zu verwandeln.

Besonders sortenreine Säfte ermögliche es, sich in die Aromenvielfalt der alten Obstsorten hineinzukosten. Grafensteiner Äpfel haben eine deutliche Vanillenote im süßen Saft, ein Liebling der Kinder, während Saft von Lederäpfeln erst rau und herb schmeckt, aber nach Monaten ausgezeichnet gereift ist. Eine Verlockung der Geschmacksknospen, die es wert ist, sie zu erkunden.

Der Verein hilft bei der Vermarktung mit einem gemeinsamen Gütesiegel und Logo. Kein Spritzen, kein Düngen, keine Plantagenwirtschaft – dies sichert das Streuobstwiesen-Gütesiegel.

Forschung zum Klimawandel: robuste Obstsorten für die Zukunft

Heuer hat der Verein Streuobstwiesen besonders viel vor: In Burgauberg-Neudauberg wird gerade das alte Gemeindeamt in ein Streuobstwiesen-Kompetenzzentrum umgebaut. Und dann wird richtig Gas gegeben. Der Herbst startet mit der 1. Streuobsttagung für Experten, die ein besonders wichtiges Ziel vor Augen hat: jene robusten Obstsorten zu identifizieren und zu vermehren, die dem Klimawandel trotzen können.

Danach folgt eine Streuobst-Gala, bei der innovative Streuobst-Projekte prämiert werden. Seien es tolle Produkte, innovative Vermarktung oder besondere Bemühungen um den Erhalt. Nominierungen sind willkommen!

Neues Steuobstwiesen-Kompetenzzentrum in Burgauberg-Neudauberg

Das neue Streuobstwiesen-Kompetenzzentrum ganz in der Nähe der Therme Stegersbach ist aber auch ganz praktisch ausgelegt: eine Seminarküche mit Blick auf das Lafnitztal, eine Essigraum, ein Brennraum für Edelbrände, ein Kühlraum für Frischobst und eine mobile Saftpresse sollen noch mehr Streuobstwiesen-Besitzer motivieren, ihr Obst wieder zu verarbeiten.

Kochkurse, Verkostungen, Vorträge, Baumschnittkurse, Veredelungskurse: ein Seminar- und Ausflugsprogramm soll sowohl Baumbesitzer als auch Touristen in Zukunft für die alten Obstsorten begeistern. Und so zum Erhalt dieses von der UNESCO ausgezeichneten Immateriellen Kulturerbes beitragen.

www.streuobstwiesn.at